Dr. Kinderzahn

Die Milchzähne bzw. Das Milchgebiss

Wußten Sie dies?

Kaum ein anderer Bereich des Körpers entwickelt sich so früh wie die Milchzähne. Phantastisch, jedoch wahr. Bereits in der sechsten Schwangerschaftswoche bilden sich bei den Embryos die ersten Anlagen für das spätere Milchgebiss. Man spricht in diesem Stadium noch von „Zahnleisten“, die später dann als glockenförmige Knospen für die Milchzähne aber auch für die späteren 32 Zähne fungieren. Der notwendige Kalk für die Mineralisierung des Gebisses sammelt sich dann ab dem vierten Schwangerschaftsmonat. Die Grundlagen sind gelegt.

Die folgenden Monate der Schwangerschaft dienen ebenfalls dem Aufbau des Gebisses. Zwar haben Babys bei der Geburt noch keine Zähne, im sichtbaren Bereich des Kiefers sind diese allerdings schon komplett ausgebildet (wie z.B. die vorderen Milchschneidezähne). Parallel hierzu startet im Bereich der Seitenzähne auch schon die Bildung der bleibenden Zähne.

In dem Moment, in dem sich die Zahnkrone (also der später sichtbare Teil eines Zahns) und die Zahnwurzel entwickelt haben, schiebt sich das erste Zähnchen durch das Zahnfleisch („Zahndurchbruch“). Hierbei wird vielfach von einem Zahndurchbruch gesprochen. Nun ist es auch Zeit für die Wurzeln, mit der kompletten Ausbildung zu beginnen. Das Kind befindet sich währenddessen zwischen dem sechsten und dem neunten Lebensmonat.
So weit die Theorie, denn in der Praxis zeigen sich zahlreiche Unterschiede. So kommen manche Kinder sogar schon mit ersten Milchzähnen zur Welt, während andere bis zu ihrem ersten Geburtstag warten müssen. Nach dem Durchbruch des ersten Zahns dauert es allerdings nicht mehr lang und die folgenden Zähne brechen jeweils im Abstand von wenigen Wochen durch. Den Anfang machen dabei die Schneidezähne, gefolgt von den Backenzähnen bis zu den Eckzähnen. Im Alter von rund zweieinhalb Jahren darf sich das Kind dann über ein vollständiges Milchgebiss freuen.

MilchgebißMilchgebißMilchgebiß

© Dr. Stauche

Das Wechselgebiss

Mit ungefähr sechs Jahren steht nicht nur der Schulbesuch auf dem Programm, sondern auch die ersten bleibenden Zähne. Unter Zahnärzten spricht man von den „Sechsern“, den Backenzähnen, die noch hinter den letzten Milchzähnchen liegen. Diese Zähne sind für den Aufbau des Gebisses besonders bedeutsam, bleiben ein Leben lang und gewährleisten einen regelmäßigigen Aufbau des Gebissbogens. Anders ausgedrückt, dürfen diese Zähne nicht verloren gehen, weil sonst Besuche beim Kieferorthopäden und eine Regulierung drohen.
Die vollständige Ersetzung der Milchzähne durch die „richtigen“ Zähne dauert bis zum 14. Lebensjahr. Man nennt diese Zeit auch „Wechselgebiss“. Die Reihenfolge entspricht der der Entstehung der Milchzähne. Zunächst fallen die Schneidezähne aus und werden durch bleibende Zähne ersetzt. Es folgen die Backenzähne und die Eckzähne. Zuletzt entstehen die großen Backenzähne, die noch hinter den „Sechsern“ liegen. Vollständig ist das Gebiss dann mit dem Durchbrechen der „Weisheitszähne“, was jedoch selten vor dem 18. Lebensjahr – teilweise überhaupt nicht – geschieht.
Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder stets ein gesundes Gebiss haben und ohne vorhandene Schäden irgendwann selbst die Verantwortung für ihre Zahngesundheit übernehmen können.

Auf den richtigen Sauger kommt es an!

Größe I – Altersstufe 0 – 6 Monate
Größe II – Altersstufe 7 bis 18 Monate

Es ist nicht nur wichtig, was ein Kind trinkt, sondern auch wie es trinkt. Die Verwendung des passenden Saugers bestimmt die spätere Lage des Unterkiefers. Indem dieser beim Saugen vorgeschoben wird, gleicht sich der so genannte „Rückbiss“ der Neugeborenen aus. Kurz gesagt, gelangt der Unterkiefer in die richtige Position, gegenüber dem Oberkiefer.

Offener Biß

Offener Biß
© Bild oben: Fotograf: dephoto @ Fotolia.de

Wird jedoch ein unpassender Flaschensauger verwendet oder gelangen „Fremdkörper“ wie der Daumen oder ein Beruhigungssauger bzw. Schnuller in den Mund, so kann sich der Kiefer verformen. Es drohen schiefe Zähne. Zudem können runde oder zu lang bemessene Flaschensauger für ein Zurückdrängen der Zähne sorgen. Die Folge ist ein stärkeres Saugen, das mit dem Einziehen der Wangenmuskulatur einhergeht. Es entstehen ein zu schmaler Oberkiefer und ein „offener Biss“.

KariesVorsicht: Dauer-Nuckler!

Besonders gefährlich für die heranwachsenden Zähne ist das Dauernuckeln/Dauerlutschen. Insbesondere, wenn die Zähne über Stunden in gesüßten Getränken liegen, entsteht bald Karies. Dabei sind nicht nur gesüßte Kindertees, sondern auch Fruchtsäfte ein Risiko und schaden den Zähnen. Natürlich ist das Trinken für Kinder wichtig, es sollte jedoch tunlichst kontrolliert werden, damit der natürliche Speichelschutz der Zähne nicht beeinträchtigt wird.

© Bild rechts: Dr. Stauche

Milchzähne pflegen – aber richtig!

Im Alter von rund sechs Monaten ist es soweit. Ihr Baby bekommt seine ersten Zähnchen. Was für die Eltern ein freudiges Ereignis darstellt, wird vom Nachwuchs oftmals mit Weinen, Quengeln oder verstärkter Speichelfluss, dem Sabbern, begleitet. Ihr Baby kaut nun auf allen Gegenständen herum, die es in die Finger bzw. in den Mund bekommt.

Wenn Sie Ihrem Kind beim Zahnen helfen möchten, geben Sie ihm alte Brötchen oder Brotkanten. Druck auf das Zahnfleisch sorgt für Linderung und wirkt sich zudem förderlich auf den Zahndurchbruch aus. Demselben Zweck dienen Beißringe oder andere geeignete Hilfsmittel. Achten Sie allerdings darauf, dass die Gegenstände weder verschluckt werden, noch das Zahnfleisch verletzen.

Mit den ersten vier Zähnchen im Ober- und Unterkiefer beginnt dann auch die Zahnpflege. Anstelle einer Zahnbürste dürfen Sie nach dem letzten Abendessen mit einem kleinen Wattestäbchen zu Werke gehen.

Wenn Ihr Babys während des „Zahnens“ Fieber bekommt, kann durchaus ein Zusammenhang bestehen. Gleichen Sie die Erkrankung jedoch besser mit uns ab und kommen Sie vorbei.

Mit den ersten Zähnen (ab dem ersten Lebensjahr) steht dann auch das Erlernen der Zahnpflege auf dem Programm. Mit eigens konzipierten Kinder- und Lernzahnbürsten fällt das Zähneputzen leichter. Die Zahnbürsten sind weicher als die Varianten der Erwachsenen und haben teilweise sogar Gummiborsten.

Im Alter von zwei bis drei Jahren, darf das Kind dann auch schon seine erste eigenen Zahnbürste benutzen. Der Griff fällt dabei klein und dick aus, während der Bürstenkopf kürzer und weicher ist.

Lernzahnbürste
Lernzahnbürste
Kinderzahnbürste
Kinderzahnbürste
© Dr. Stauche

In den ersten Jahren sollten die Kauflächen gebürstet werden. Die geschlossenen Zähne folgen dann später. Die Technik, von Rot nach Weiß, d.h. vom Zahnfleisch zum Zahn zu putzen, sollte ebenfalls früh eingeübt werden. Vergessen Sie dabei nicht die Rückseiten der Zähne.

Richtiges Zähneputzen muss erlernt und trainiert werden. Bleiben Sie an der Seite Ihrer Kinder und sorgen Sie dafür, dass die Mundhygiene zu einer routinierten Selbstverständlichkeit wird. In vielen Fällen müssen Sie dabei auch „Nachputzen“, um den Kariesschutz zu gewährleisten.

Ebenfalls von Vorteil ist das Einüben eines bestimmten Systems. Das Kind sollte bei den äußeren Backenzähnen immer in der selben Zahnreihe beginnen und sich dann langsam vorarbeiten. Kleine Rüttelbewegungen reinigen die Außenflächen bei geschlossenen Zähnen. Dann das Gleiche auf der anderen Seite. Am Schluss stehen dann die Kauflächen der Seitenzähne.

Beim gemeinsamen Zähneputzen (Nachputzen der Eltern) kann ein Spiegel gute Dienste leisten. Die Bewegungen der Eltern können gemeinsam im Spiegel vom Kind beobachtet werden.

Der erste Besuch beim Zahnarzt

Bevor Ihr Kind zum ersten Mal auf dem Zahnarztstuhl Platz nimmt, sollten Sie es vorbereiten. Eine Möglichkeit, ist das Erzählem vom großen Sessel, der elektrisch fährt und den vielen Lämpchen und Werkzeugen. Andeutungen auf eventuelle Schmerzen sollten Sie ebenso vermeiden, wie Geschenke oder Belohnungen. Sie wecken somit Befürchtungen und Angst! Im Idealfall ist ihr Kind gespannt und empfindet den Besuch eher als Ereignis als als lästige oder gar schmerzhafte Pflicht.

Die erste Untersuchung sollte am besten vor der Bildung des ersten „Loches“ (Karies) erfolgen!

Eine Idee ist dabei, dass Sie Ihr Kind bereits bei einem eigenen Zahnarztbesuch mitnehmen. So entstehen erste Eindrücke und das Kind merkt, dass es nichts zu befürchten hat. Sollten Sie selber Angst vor dem Zahnarzt haben, so bitten Sie Ihren Partner oder die Großeltern darum, das Kind mitzunehmen. Das Kind kann Vertrauen entwickeln. Regelmäßige Zahnarztbesuche sind selbstverständlich und kein Leidensgang.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind ab dem dritten Lebensjahr wichtig. Nur so lassen sich Fehlentwicklungen des Kiefers erkennen und ausgleichen und nur so können Löcher schmerzfrei behandelt werden.